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Bad Segeberg | Stadt.Bekannt

Ein unermüdlicher Kämpfer für den Kreis Segeberg

Bad Segeberg (kv/sw) Nach 28 Jahren Kreispräsidentschaft und noch längerer Zeit in der Politik hat sich Winfried Zylka aus der aktiven Politik zurückgezogen. Für ein Interview mit dem Stadtmagazin hat er sich die Zeit genommen, um nochmal zurück, aber auch vorauszuschauen.

Wie geht es Ihnen jetzt im Ruhestand?
Der Ruhestand ist noch nicht so richtig durchgeschlagen. Nach der Verabschiedung im Juni hatte ich noch einige Sachen abzuwickeln. In dieser Phase bin ich noch.

28 Jahre Kreispräsident, 150 Kreistagssitzungen und nicht eine versäumt – was bleibt Ihnen im Gedächtnis, wenn Sie an diese 28 Jahre denken?
Der gewaltige Wandel in unserer Lebensweise. Man wird, wenn man so lange in der Politik ist, zum Beobachter seiner Zeit. Unsere Lebensgewohnheiten haben sich stark gewandelt und damit auch die Aufgaben, die wir in der Selbstverwaltung zu lösen hatten. Das gilt für den Kreistag und wir haben auch in der Kreisverwaltung starke Umbrüche gehabt in dieser Zeit.

Sie haben viele große Politiker in dieser Zeit erlebt. Wer hat Sie beeindruckt?
Ich habe sehr viele Politiker kennengelernt. Als Kreispräsident ist man ja auch Repräsentant. So kenne ich alle Ministerpräsidenten seit Helmut Lemke persönlich. Ihn kenne ich aus einer gewissen distanzierten Zusammenarbeit. Er hat mich immer wahrgenommen und auch persönlich ein wenig gefördert. In der Frage, wer mich beeindruckt hat, will ich keine Namen nennen, denn mit jedem Namen, den man nennt, nennt man zehn Namen nicht. Ich habe in all diesen Jahren gelernt Menschen zu wertschätzen, egal in welcher Position sie sind. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, die ehrenamtlich tätig sind und weiß deren Kompetenz und Arbeit sehr zu schätzen.

Sie haben Politik immer als Ehrenamt betrieben. Hat es Sie jemals gereizt Berufspolitiker zu werden?
Ja, ich war Kandidat für den Landrat und wollte sehr gerne Landrat werden und bin in einer spannenden Wahl Herrn Gorrissen unterlegen. Aber ich habe das im Nachhinein nie bedauert, denn Herr Gorrissen war ein sehr guter Landrat und ich habe sehr gut mit ihm zusammengearbeitet.

Sie sind ursprünglich Informatiker. Digitalisierung, löst das eher Skepsis oder Begeisterung bei Ihnen aus?
Begeisterung, denn ich muss sagen, dass Digitalisierung unsere Gesellschaft schon seit Jahren stark verändert und ich finde die Möglichkeiten, die wir haben, einfach grandios und das finde ich besser als immer nur die Gefahren in den Vordergrund zu stellen.

Wenn sie sehen wie die Berliner Politik, gerade die große Koalition miteinander umgeht. Was denken Sie da?
Wir sollten die wirklichen Probleme lösen. Der frühere Bundesforschungsminister Riesenhuber hat mal in einer Rede gesagt: Die Gefahr in der Politik ist, dass man die Scheinprobleme in den Köpfen der Menschen löst und die Umstände immer schlechter werden. Er hat sehr dafür plädiert, dass man sich um die realen Probleme kümmert.

Was hat sich in den letzten 28 Jahren in der Politik verändert hat. Gibt es mehr Selbstdarsteller oder war das immer schon so?
Die Möglichkeiten, die wir heute über die Medien haben, sind anders, und die Politiker haben sich dem angepasst. Das ist aber im Prinzip schon seit der Antike so. Man versucht die Menschen, die jetzt leben anzusprechen auch mit den unbegründeten Ängsten.

Ein Strauß, Kohl oder Schmidt sind Unikate gewesen, gibt es noch Typen in der Politik?
Manche befürchten, dass wir nur noch Politiker haben, die stromlinienförmig sind, das sehe ich überhaupt nicht. Wir haben starke Charaktere und müssen mit deren Eigenschaften leben.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden sie damit machen?
Ich würde sehr lange nachdenken, man sieht ja an den Märchen, dass man sich schnell etwas Unvernünftiges wünscht, was man dann wieder rückgängig machen will.
Meine Gesundheit macht mir sehr zu schaffen, ein Wunsch würde sicherlich dahingehend sein, dass ich da eine gewisse Erleichterung habe. Auf der anderen Seite will ich nicht klagen. Es gibt andere Menschen, denen geht es wesentlich schlechter und das sehe ich eben auch.

Sie kommen aus Bad Bramstedt und wohnen in Bornhöved, war der Gedanke in die Großstadt zu ziehen nach Kiel oder nach Hamburg mal eine Herausforderung oder Alternative für Sie?
Als junger Mensch sieht man in der Großstadt natürlich eine gewisse Attraktion. Ich habe das kleinstädtische Leben in Bad Bramstedt in sehr positiver Erinnerung und meine Frau und ich sind durch Zufall nach Bornhöved gekommen und möchten den Platz um nichts in der Welt eintauschen.

Sie haben in der langen Zeit in der Politik viel erlebt, was ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?
Die für mich als Kreispräsident aufregendste Zeit war die Umstellung in der Krankenhausversorgung. Wir hatten zwei Kreiskrankenhäuser, die nicht mehr wirtschaftlich arbeiteten konnten und haben angefangen an der Trägerkonstruktion zu arbeiten. Das war im Kreistag immer sehr strittig und viele Menschen, die mitredeten. Auf der anderen Seite war völlig klar, wir konnten so nicht weitermachen, denn die notwendige Investition aus den öffentlichen Kassen hätten wir nicht mehr geschafft. Um das Jahr 2000 hatten wir den Gedanken das Krankenhaus in Kaltenkirchen zu verkaufen, aber zu erhalten. Darüber gerieten wir in Streit mit Mitarbeitern und auch mit der Stadt Kaltenkirchen. Das nahm heftige Züge an. Anfang 2001 hatten wir dann eine sehr aufgeregte Kreistagssitzung, der Saal war zum Bersten voll. Das war das erste und einzige Mal, dass ich jemanden des Saales verweisen musste. Ansonsten haben wir auch andere schwere Entscheidungen treffen müssen, die wir aber immer anständig abwickeln konnten.

Wo steht aus Ihrer Sicht Schleswig-Holstein in 50 Jahren? Kann man schon so weit blicken?

Ich glaube schon. Die Frage ist, was bringt der Klimawandel, womöglich mit Veränderung der Küstenlinie. Ich glaube aber, dass wir ein sehr attraktives Land sind und bleiben und dieser Sommer führt uns ja vor Augen wie attraktiv Schleswig-Holstein für Touristen ist.

Brauchen wir einen Nordstaat? Würde das nicht einiges vereinfachen? Oder ist das Utopie?
Ich lehne den Gedanken von größeren Bundesländern überhaupt nicht ab. Wenn das mit Berlin und Brandenburg gleich nach der Wende geklappt hätte, wäre die Nordstaatdiskussion auch nicht so schnell verstummt.
Auf der anderen Seite wissen wir, solche Grenzen aufzuheben bedeutet eine Zumutung für viele Menschen und ist deshalb sehr schwer durchzusetzen. Es bedarf da schon eines gewaltigen Anlasses, damit man die Menschen dazu bekommt in die größeren Einheiten zu gehen. Ich würde gegenwärtig keine Zeit und Kraft darein verwenden die Grenzen zu verändern.

A20 ist jahrzehntelanges Thema. Sie ist immer noch nicht fertig. Was läuft da falsch?
Ich glaube, dass wir uns in Deutschland durch Gesetze so eingemauert haben, dass wir solche Projekte nicht ordentlich abwickeln können. Die tatsächlichen Gegebenheiten verändern sich derart schnell und wir haben uns richtige Bleiklötze an die Beine gelegt, um dem hinterherzurennen. Wir müssen Verfahren straffen, denn derzeit wird jede Idee durch eine angeblich bessere Idee torpediert. Damit können wir in den nächsten Jahren vorankommen. Ich bin sehr bedrückt, dass es nicht vorangeht, und dass in einer sehr zentralen Stelle im Kreis Segeberg.

Was läuft in der Politik falsch? Gibt es Politikverdrossenheit? Erreichen wir die Jugend?
Eine Vokabel, bei der ich raketenartig hochgehe, ist das Wort Politikverdrossenheit. Das ist eine Eigenschaft, die uns eingeredet wird. Ich habe 18 Jahre lang mit jungen Leuten „Jugend im Kreistag“ gemacht. Das Problem ist, dass die gar nicht an die Politik herangeführt wurden. Wenn die Jugendlichen zwei Tage bei uns waren, haben sie zum Teil ein ganz andere Begeisterung dafür. Unsere Demokratie ist so gut und so schützenswert, dass ich mich fürchterlich ärgere, wenn das zerredet wird. Wo in der Welt finden wir bessere Lebensbedingungen als bei uns und sagen wir mal 10 anderen Ländern auf der Erde. Wenn wir so gut leben können, wo ist dann der Grund für Politikverdrossenheit?

Welche Projekte im Kreis sind die wichtigen Projekte, die umgesetzt wurden?
Die Umwandlung der Kreiskrankenhäuser in Privatkrankenhäuser ist gut gelungen. Eine andere Sache, die wir gut hinbekommen, ist die Jugendakademie. Da gab es eine lange kontroverse Debatte im Kreistag. Die Frage war: Sollen wir die Mühle als Jugendbildungsstätte aufgeben und die evangelische Akademie erwerben? Ich habe mich sehr für das letzte eingesetzt.
Wir haben viel auf dem kulturellen Sektor gemacht. Wir haben unsere Feuerwehren gut gerüstet und die Kreisfeuerwehrzentrale gebaut. Wir haben den ÖPNV aufgemöbelt, uns am Ausbau der Bahnstrecken beteiligt und natürlich auch den Ausbau der Berufsbildungszentren durchgeführt. Ich erinnere mich gut: Nach der Gründung der Stadt Norderstedt haben wir in einem kleinen Barackenbau angefangen und wenn sie das BBZ heute sehen, ist das eine gewaltige und wichtige Einrichtung.

Wenn Sie auf die Zeit in der Politik und als Kreispräsident zurückblicken, wie stolz sind Sie darauf was Sie geleistet haben?
Man leistet als Kreispräsident nichts allein. Man braucht ein Team und muss andere Menschen für seine Ideen begeistern. Ich glaube, dass mir das in weiten Teilen gelungen ist. Ich freue mich, dass wir es hinbekommen haben, im Kreistag ein arbeitsfähiges Klima zu schaffen. Wir hatten in der letzten Wahlperiode ja schon sechs Fraktionen und haben viele Dinge so organisiert, dass wir Meinungsverschiedenheiten und Kompromisswege in den Ausschüssen gelöst haben und dann mit ganz großer Mehrheit die Entscheidung treffen konnten.

Gibt es Dinge, bei denen Sie sagen, das hätte ich anders machen sollen oder was Sie gern noch beendet hätten?
Was ich hätte anders machen sollen, bezieht sich meist auf kurzfristige Sachen, an die man sich dann auch nicht mehr erinnert. Ich bin besonders stolz wie sich unsere Bevölkerung in der Flüchtlingskrise verhalten hat. Es hat eine solche Welle der Hilfsbereitschaft gegeben, dass fand ich hervorragend. Wir hatten im Kreistag schon vor der Welle eine Resolution verfasst, in der wir uns für die kulturelle Vielfalt ausgesprochen haben und hatten uns entsprechende Leitlinien gegeben, die dann voll zur Anwendung kamen.

Sie waren sehr engagiert im Jugend- und Bildungsbereich. Sind Sie guten Mutes, wenn Sie die Jugend von heute sehen?
Ja ausgesprochen. Wenn ich „Jugend im Kreistag“ sehe mit jungen Menschen von 15- 16 Jahren, das sind ganz hervorragende Menschen. Auch wenn ich Auszubildende und Studierende erlebe, das sind Menschen, die gut in unsere Gesellschaft passen und unsere Gesellschaft voranbringen werden.

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